Botany Bay – “Thanksgiver”

„Es gibt Dinge, die können nur aus der Stille kommen. Stimmen, die man nicht hört, wenn alles laut ist. Farben, die man nicht sieht, wenn alles bunt ist.“

Die Musik auf „Thanksgiver“ entstammt einem Ort, den man nur erreicht, wenn das Leben Abzweigungen nimmt, die man von sich aus nicht freiwillig gewählt hätte.

Botany Bay, das sind Multiinstrumentalist Stephan Kleinert und Sängerin Stefanie Mühr. Die Band blickt zurück auf eine lange Geschichte mit zahlreichen Höhen, aber auch Tiefen – und es grenzt fast schon an ein Wunder, dass Botany Bay mit „Thanksgiver“ nun nach mehrjähriger Zwangspause wieder ein Album veröffentlichen. Nach schwerer Krankheit war 2012 Kleinerts Vater gestorben, 2015 folgte seine Mutter – Schicksalsschläge, die dazu führten, dass Kleinert und Mühr nicht nur einander, sondern auch die Musik aus den Augen verloren.

Metamorphosen hat dieses Projekt im Lauf seiner über 20jähigen Geschichte schon etliche durchlebt. 1995 gründete Stephan Kleinert Botany Bay – zunächst nur ein Side-Project neben anderen Bands, das jedoch schnell zum eigentlichen Herzstück seines Schaffens wurde. Anfangs durch Pop und Wave der 80er beeinflusst, kamen über die Jahre Einflüsse aus Jazz, Triphop und Progressive Rock hinzu, während musikalische Mitstreiter und Freunde kamen und gingen und sich die Band zeitweise gar vom reinen Studioprojekt zum erfolgreichen Live-Act wandelte. Seit 2009 kredenzt dabei Stefanie Mühr die Lead Vocals und verleiht dem Sound von Botany Bay – erst „nur“ als Sängerin, bald aber auch als Kleinerts Songwriting-Partnerin – ein weiteres, unverwechselbares Merkmal.

Bei allen Metamorphosen wollte Kleinert mit Botany Bay doch immer die Musik verwirklichen, die tief in ihm wohnte. Hinter “Thanksgiver” mit seiner knapp 20minütigen Suite „Winter Wolfpack Serenade“, stehen nun Ereignisse und Eindrücke aus seiner jüngster Vergangenheit – und eine persönliche und initime Auseinandersetzung mit Leben und Vergänglichkeit, aber auch mit Spiritualität und Hoffnung.

Dabei sind intensive und komplexe Songs – mal reich instrumentiert, dann wieder völlig reduziert – entstanden, bei denen die Band auf ausgefeilte Arrangements setzt, ohne „Thanksgiver“ dabei je verkopft wirken zu lassen. Melancholisch, warm, samtig grau klingt die winterliche Serenade der Wölfe. Abermals unterstützt von zahlreichen Gastmusikern und einer für Botany Bay ganz neuen Instrumentierung (darunter Cello, Horn und Oboe) erinnern auf „Thanksgiver“ nur noch ferne Echos im nunmehr avantgardistischen Sound an die Pop-Wurzeln früherer Werke.

Möglich, dass es sich bei “Thanksgiver” um das finale Botany Bay Album handelt. Wichtig war Mühr und Kleinert deshalb, sich damit hundertprozentig wohl zu fühlen und keinerlei Kompromisse mehr einzugehen. 

„Wenn es das letzte Album sein sollte, dann sollte es auch einen für uns würdigen Abschluss unserer Geschichte darstellen“ betont Stephan Kleinert.

„Thanksgiver“ ist ein melancholisches Album geworden. Auch ist es ein Album, das trotz aller Melancholie Licht und Hoffnung erkennen lässt. Ob die letzten Töne von Botany Bay mit „Thanksgiver“ verklingen werden, steht in den Sternen. Bis diese sich entscheiden, jagen Kleinert und Mühr weiter mit ihren Wölfen durch die kalten Wälder. Es ist ein Genuss, sie dabei ein Stück zu begleiten und zu lauschen. 

„Thanksgiver“ erscheint am 6.10.2018 im Eigenverlag in einer streng limitierten Auflage von 300 LPs, sowie als MP3-Download.